13 Fragen, die du einer schwarzen Frau schon immer stellen wolltest - dich aber nicht getraut hast.

von von Virginia Beljean | Feb 16, 2018
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Aufgewachsen in Innsbruck, Tirol mit nigerianischen Wurzeln hat Anna, die Bloggerin hinter thezurichdiaries.com, einen bunten Mix an Diversity im Rucksack. Im Interview gibt uns Anna Antworten auf Fragen, die man sich oft nicht zu stellen traut.

 

1. Welche Bezeichnung für Schwarze findest du ok?

Es gibt in dem Sinne keine allgemein richtige Bezeichnung. Am besten fährt man meiner Meinung nach, wenn man sein Gegenüber fragt, welche Bezeichnungen für ihn in Ordnung sind. Ich selbst verwende die Bezeichnungen schwarz und dunkelhäutig.

 

2. Was hältst du davon, wenn weisse in Hip Hop Songs das N-Wort mitsingen?

Das ist eine sehr heikle Frage. Ich höre viel Hip Hop und RnB und mich persönlich stört es, wie regelmässig dieses Wort in Songs vorkommt. Für AfrikanerInnen ist dies ein Begriff, den wir nicht verwenden. In den USA ist dieser Begriff aufgrund der Geschichte (u.a. Sklaverei) unter Schwarzen “gängig”. Dass viele die Worte eines Songtextes einfach mitsingen, liegt in der Natur der Sache, aber keiner meiner Freunde würde dieses Wort in den Mund nehmen, vor allem nicht wenn ich dabei bin.

 

3. Fühlst du dich eher zu schwarzen Männern hingezogen?

Ich habe keine Präferenzen bezüglich der Herkunft. Wenn mir jemand gefällt, dann gefällt er mir! ich bin in Tirol aufgewachsen und hatte bisher nur Beziehungen mit weissen Männern. Liegt wohl aber auch daran, dass ich keine anderen Schwarzen in meinem Umfeld hatte.

 

4. Kannst du uns was zu afrikanischen Schönheitsidealen erzählen?

Nicht alle Schwarzen haben einen “big booty” (lacht), aber es ist schon so, dass bei Schwarzen das Schönheitsideal der Frau eher zu kurvig tendiert. In vielen afrikanischen Ländern werden leider immer noch Bleaching Creams zum Aufhellen der Haut verwendet. Dasselbe kann man in asiatischen und südamerikanischen Ländern beobachten. Die Selbstwahrnehmung der schwarzen Frau ist ein komplexes Thema, die den Rahmen dieses Interviews sprengen würde. Mir fällt aber sehr wohl auf, dass man als schwarze Frau vom Umfeld generell eher als “schön” wahrgenommen wird, wenn man europäische Züge hat, also hellere Haut, helle Augen, glattes bis leicht lockiges Haar, schmale Gesichtszüge, feiner Körperbau.

 

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5. Ist das dein richtiges Haar?

Ich trage seit Jahren einen Afro und komme damit gut zurecht. Im Winter trage ich allerdings Extensions in Form von sogenannten “Single Braids”, da die kalte Luft mein Haar massiv austrocknet und ich damit leichter eine Mütze tragen kann.

 

6. Wie unterscheiden sich Rassismus und Fremdenfeindlichkeit?

Das ist eine extrem schwierige Frage. Rassismus ist ein komplexes Thema, generell würde ich persönlich zwischen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit unterscheiden. Fremdenfeindlich kann jeder sein, das findet auf der individuellen Ebenen statt. Rassismus ist ein strukturelles Konstrukt, dass gewissen Minderheiten das Leben im jeweiligen Land erschwert. Beispiel: Als Amerikaner ist man ein “Expat” und kann überall auf der Welt leben und arbeiten, als Nigerianer gilt man als Migrant und hat wahrscheinlich schlechtere Jobchancen, auch wenn man die gleiche Ausbildung wie der Amerikaner hat.

 

7. Wie gehen die Nigerianer mit Ihrem Emotionen um?

In Nigeria werden Emotionen sehr offen gelebt und gezeigt. Ich würde und als ein “lautes und expressives” Volk bezeichnen. Man schämt sich nicht für seine Emotionen und kann diese auch zeigen. Wo es leider noch wenig Verständnis gibt, ist das Thema Depression. Viele verstehen das als “grundlose” Trauer, was für die ältere Generation keinen Sinn macht.

 

8. Gehst du aktiv Sonnenbaden? Hattest du schon einmal einen Sonnenbrand? Und hast du in der Sonne wärmer?

ja und wie! Ich hatte erst einmal einen Sonnenbrand, den habe ich allerdings erst bemerkt, als sich die Haut auf meinem Knie zu schälen began. Schmerzen hatte ich zum Glück keine. Ich bin gern in der Sonne – am See oder Strand liege ich allerdings am liebsten im Schatten, da ich sehr schnell einen Sonnenstich bekomme, was wohl an den schwarzen, dichten Haaren liegt. Ob ich wärmer habe als weisse Personen kann ich allerdings nicht beurteilen (lacht).

 

9. Was hältst du davon wie Afrika in den Medien / Werbung dargestellt wird?

Mich stört dass Afrika, ein Kontinent mit über 54 Ländern, in den Medien immer als ein Land dargestellt wird. Ein Äthopier und ein Nigerianer haben genauso viel gemeinsam wie ein Spanier und ein Norweger. Wir haben vielfältige, reiche Kulturen, doch in den Medien sieht man hauptsächlich das Hungerleiden oder Armut! Ich würde mir eine etwas differenziertere Berichterstattung wünschen, denn viele Vorurteile entstehen genau aus dieser einseitigen Darstellung.

 

Die Frage “Sprichst du Afrikanisch?” regt mich hingegen endlos auf, da sie einfach nur dumm ist.

 

10. Können alle Nigerianer gut singen und tanzen?

Musik und Tanz sind wichtige Elemente unserer Kultur, die von klein auf mitgegeben werden. Bei uns zuhause ist immer Musik gelaufen und es gibt auch sehr viele Feste, auf die man mit den Eltern geht, wo dann auch viel getanzt wird. Viele können tanzen und singen, weil sie von klein auf dazu ermutigt werden, aber es gibt genauso unmusikalische Nigerianer ohne Rhythmusgefühl.

 

11. Hast du es mit deiner Hautfarbe schwer in der Schweiz?

Ich lebe seit 3,5 Jahren in Zürich und empfinde meine Hautfarbe hier nicht als Hürde. Einmal haben mich ein paar Jungs, die mit dem Auto an mir vorbeigefahren sind, als “ Scheissnegerin” beschimpft. Das war nicht angenehm, aber gegen solche Leute kann man halt leider nichts machen. Sonst habe ich hier keine rassistischen Zwischenfälle erlebt und fühle mich auch sonst hier gut aufgenommen. Mein Tiroler Akzent ist ein guter Eisbrecher ;)

 

12. Wo siehst du den grössten Nachteil daran, dunkelhäutig zu sein?

Ich habe bemerkt, dass viele Menschen, die ich kennengelernt habe, erstaunt darüber waren, dass ich als Schwarze perfekt deutsch spreche. Es scheint für viele immer noch etwas sehr Spezielles zu sein. Ich habe schon das Gefühl, dass ich aufgrund meiner Hautfarbe viele Vorurteile überwinden muss, denn viele Menschen im deutschsprachigem Raum haben im Alltag kaum Berührungspunkte mit anderen Kulturen. Ich bin auch meist die einzige dunkelhäutige Person, sei es bei der Arbeit, im Zug oder in einer Bar – es ist selten dass ich andere Menschen mit dunkler Hautfarbe sehe. Als ich jünger war, habe ich mich sehr stark meinem Umfeld angepasst, weil ich so normal wie möglich sein wollte. Ich es gehasst habe, aufgrund meiner Hautfarbe ständig aufzufallen. Mittlerweile kann ich damit gut umgehen.Ich glaube, wenn man älter wird, ist es einem nicht mehr so wichtig, was andere von einem denken.

 

13. Was sagst du zu: Once you black you never go back?

(lacht) Diese Frage kann ich natürlich nicht beantworten, da müsstest du andere fragen!

 

 

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