Wie sehen Zürcher Millennials die Arbeitswelt?

von Moritz Merz | Oct 2, 2017 12:00:00 AM
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Es wurde philosophiert, was das Zeug hält, am Millennial Gipfel in Zürich Binz. Eines der Kernthemen: Die Arbeitswelt. Wir sprachen über Generationen, über Zusammenarbeit, den Jobeinstieg, den One-Life Ansatz und vieles mehr. Für alle, die nicht dabei sein konnten, haben wir ein paar spannende Stimmen eingefangen.



Was können ältere Generationen von uns lernen?

 

  • Das freie Denken - Wenn man zu lange Teil eines Systems,einer Kultur oder eines Schemas ist, dann tut man sich schwer, unvoreingenommen zu denken. Ich habe vor kurzem meine erste Primarschulklasse übernommen. Die Interessen und Neigungen der Kinder und die Welt, in der wir leben, verändert sich stark und rasant. Das stellt auch neue Anforderungen an den Lehrberuf.. Ich wage zu behaupten, dass junge Lehrer und Lehrerinnen noch offener, freier und toleranter sind. Doch oftmals wird man mit frischen Ideen ausgebremst. (Sarah, 25, Lehrerin)

  • Ich habe dieses Ausbremsen auch schon erlebt - und nicht selten habe ich es als absichtlich empfunden. Wenn wir jung, hungrig und vergleichsweise billig in die Berufswelt einsteigen, werden wir als Bedrohung für die ältere Generation wahrgenommen. Wir wollen aber nicht bedrohen oder konkurrieren, sondern in erster Linie kollaborieren. Wir wollen die Expertise der älteren Generation  mit frischem Wind und jungem Wissen anreichern. Als Digital Natives bringen wir enorm viel technisches Wissen mit und ist unserer Horizont extrem breit. Die Auslandsaufenthalte, oft als “Studenten-Sabbaticals” belächelt, statten uns mit einem Wissen über Kulturen und Märkte aus, dass wir konstruktiv in Problemlösungsprozesse einbringen können. Wir wollen unseren Senf dazu geben und gegenseitig lernen. Gepaart kann dieser Wissenspool einen Wettbewerbsvorteil darstellen. Austausch auf Augenhöhe ist meiner Meinung nach das Erfolgsrezept. (Max, 24, Consultant)

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Work-Life: Muss man wirklich eine strikte Trennung machen oder geht es auch anders? Quelle: impactbnd.com

 

Work-Life Balance oder One-Life?


  • Ich will keine Work Life Balance - der Begriff suggeriert ja schon, dass die Freizeit eine Art Kompensation  für die Schrecken, Stress, Mühen des Arbeitsalltags darstellen. Ich will One-Life. Ich will im Office derselbe Mensch wie zu Hause sein. Ich will meine Geschichte, meine Passionen und meine ganze Kreativität nicht vor der Türe des Büros zurücklassen, sondern aus dem Vollem schöpfen. Sobald ich das kann, geht es ab! Die Grenze soll verschmelzen. Für mich ganz klar: One-Life (Serge, 21, Student & Eventveranstalter)

  • Die Work-Life-Balance ist ein Mythos - eine Art Selbstschutz vor dem ausbeuterischen Arbeitgeber! Weder ein schönes Dinner am Feierabend noch die Golfpartie am Wochenende kompensiert für einen sinnentleerten Alltag. (Bea, 24, Fotografin)

  • Ich will nicht die ultimative Trennung zwischen Arbeit und Freizeit, sondern einen Einklang. Ich will glücklich sein und mich überall wohlfühlen. Ins Büro fahren mit einem mulmigen Gefühl im Bauch und Abwarten bis der Feierabend ruft und ich mit meinen Hobbies mein Leben wieder in die Balance holen kann – das will ich nicht. Ich will Zeit für Privates, das stimmt. Aber wir können das simultan, wenn der Job stimmt. Ich will gute Beziehungen. Wer will schon Arbeitskollegen?  Ich will Freunde. (Nico, 24, Rohstoffhändler)

Sind wir eine Generation, die nicht mehr bereit ist, den Marathon zu rennen? Geben wir schneller auf? Wurden wir von unseren Eltern verhätschelt und sind deswegen faul?


  • Wir sind bereit, den Marathon zu rennen. Aber warum sollten wir die 42km auf einer abgesteckten Strecke zurücklegen? Wir wollen uns den eigenen Weg durch dieses Leben bahnen und Herr über Geschwindigkeit und Richtung sein. Wir machen die Dinge anders?Muss man Vögel danach beurteilen, wie gut sie schwimmen können? (Max, 24, Consultant)

  • Mein oberstes Ziel im Leben ist Glück. Viele dieser «Marathons», Durchbeissen um jeden Preis, werden für Geld und Prestige gerannt. Im Umfeld meiner Eltern sind die Hälfte der Eltern geschieden,Burnouts ebenfalls weitverbreitet. Dafür steinreich- Gratuliere!  Ich will beissen, durchhalten und Gas geben, aber erst, wenn ich weiss, wofür ich wirklich brenne. Ich gebe mir selbst die Zeit, es heraus zu finden. (Lena, 25, Verkäuferin)

  • Meine Eltern haben mir immer gesagt: Du kannst alles werden! Das muss nicht verhätschelt und schwach machen. Der endlose Support den wir erhielten, gibt uns ein Selbstbewusstsein, dass uns gross denken lässt. Natürlich ist es ein Fakt, dass die Multioptionalität unsere Generation auch verunsichert. Ich bin ungeduldig :warum soll ich zehn Jahre durch den Dreck, wenn ich im hier und jetzt glücklich sein kann? Das muss nichts mit Faulheit zu tun haben. (Marco, 26, Ingenieur)

Millennials kündigen, wenns ihnen nicht mehr passt

Millennials gehen, wenn die Entwicklungsmöglichkeiten schlecht sind. Bildquelle: computerwoche.de

 

Tschüss. Ich bin dann mal weg. An welchem Punkt kündigt ihr?


  • Wenn ich keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr sehe bin ich weg. Ich will spüren, dass mein Potential gefördert, gefeiert und genutzt wird. Ich wünsche mir Möglichkeiten, intern zu wechseln und aufzusteigen. Repetition ist boring. Ich will neue Challenges und eine steile Lernkurve. (Serge, 21, Student & Eventveranstalter)

  • Unterstützung ist mir wichtig. Ich wünsche mir schwierige, aber lösbare Aufgaben und ein Mentor, der mich supported. Oft ist im Job die Workload gross, besteht aber aus repetitiven Aufgaben, die der Kreativität wenig abverlangen. Wenn ich merke, dass mich Mitarbeiter und Vorgesetzte antreiben, mir zuhören und mit mir wachsen wollen, dann bleib ich. Sonst adios! (Sascha, 25, Bankangestellter)

Warum verkörpern Startups den Zeitgeist unserer Generation so gut?


  • Unsere Generation lebt den Start-up Gedanken und glaubt an die Kraft der Ideen. Anfangs vielleicht ein bisschen naiv, im Sinne von: Eine Idee, dann bist du reich...Feierabend! Hat man es dann mal ausprobiert merkt man, dass das alles nicht so leicht ist. Scheitern gehört dazu, doch konstantes Learning ist unglaublich beflügelnd. Wir sind wissbegierig, wir wollen selber analysieren, testen und Weichen stellen. Wir schreiben Selbstbestimmung und Kreativität gross und wollen direkte Feedbacks von Kunden und Mitarbeitern. Schaffen es grosse Unternehmen, solche Strukturen zu bieten, dann geben wir die vollen, wirklichen 100%. Es braucht vor allem Vertrauen und eine gewisse Autonomie. (Marco, 26, Ingenieur)

Obwohl die Backgrounds der einzelnen Millennials komplett unterschiedlich waren, zeichnete sich klar ein gemeinsamer Nenner ab. In uns brennt Feuer– oh ja,und was für eines. Wenn der Arbeitgeber bereit ist, etwas zu geben, dann wird das Feuer lodern. Unter den alten Strukturen ohne Freiheit droht es allerdings zu erlöschen. Es soll schliesslich ein faires Geben und Nehmen resultieren. Beim Brainwriting haben wir beide Seiten analysiert:


  1. Wie wollt ihr arbeiten, was fordert ihr?
  2. Was seid ihr bereit zu geben, wenn alles stimmt?

Antworten auf diese zwei Fragen bekommt ihr in den nächsten Blogposts.

 

 

 
 

 
 

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