GenY - Smartphone aus - Freizeit an?

von Moritz Merz | Nov 9, 2017
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Freizeit war eines der Kernthemen am ersten Millennial Gipfel. Was spielt unsere Freizeitgestaltung für eine Rolle und welche Bedeutung hat das Offline-sein für uns? Hat Freizeit Statussymbol-Charakter? Wir haben spannende Inputs für euch zusammengetragen.

 

Digital Offtime. Beginnt die wahre Freizeit dann, wenn das Handy aus ist?

 

  • Ich finde es selber schlimm, wieviel Zeit ich am Handy verbringe. Online gehen ist gewissermassen eine Flucht aus der Realität.Man könnte es ganz bestimmt eine Sucht nennen. Ich habe in einer Studie gelesen, dass der Durchschnitt täglich 88 mal das Handy entsperrt, um zu chatten, zu surfen etc. Das kommt bei mir locker hin. Zählt man all die fragmentierten Episoden zusammen, komme ich täglich easy auf 2-3 Stunden am Handy. Meine Reisen bilden da den nötigen Kontrast. Ich reise oft und gerne, mein Handy bleibt dabei meist im Hostel und ich kann richtig abschalten. Das ist für mich Freizeit. Meine Aufmerksamkeitsspanne für ein Gespräch, eine Begegnung ist länger und der Kontakt intensiver. Ich setzte mich länger mit Themen und Erlebnissen auseinander, weil nicht immer Mikro-Unterbrüche da sind und den Flow stören. Bin ich vom Reisen zurück, verfalle ich extrem schnell wieder in alte Muster. Ich verspüre oft eine Rastlosigkeit und ich weiss, dass ich aufpassen muss. (Marco, 26, Finanzberater)

 

  • Zu Hause bin ich non-Stop am Handy. Wenn ich mich richtig entspannen will, geh ich nach draussen zum Skaten oder treffe Freunde. Dann kann es auch gut sein, dass ich vier Stunden mal ganz vergesse, dass ich überhaupt ein Smartphone mit mir rumschleppe. Freizeit ohne Handy gibt mir deutlich mehr. Ich fühle mich freier. Zum Organisieren der Freizeit ist das Handy aber nicht mehr wegzudenken. Von Events und Geburtstagen würde man gar nichts mitkriegen. Wir sind soziale Wesen und wollen uns unterhalten und andere Leute treffen. (Geraldine, 21, Verkäuferin)

 

  • Teilweise ertappe ich mich sogar beim Kaffeetrinken mit meinen Freundinnen, wie ich das Handy entsperre und durch den Facebook Newsfeed scrolle, Models auf Instagram bewundere oder stupide Videos anschaue. Viele Millennials könnten in ein Digital-burnout reinlaufen. Diese Rastlosigkeit macht langfristig depressiv. Ich finde hier sollte man abgrenzen. Das oben beschriebene bringt einem gar nichts. Jedoch gibt es viel Content online der beflügeln und inspirieren kann. Dann kann die Zeit online durchaus auch Freizeit bedeuten. Auf Facebook oder Instagram finde ich diese Entspannung nicht. (Anna, 23, Fotografin)

 

  • Im Vergleich zu meinem Umfeld bin ich eher selten online. Wenn mein Gegenüber während einem Gespräch zum Handy greift, verletzt mich das. In der heutigen Zeit ist das ein enormes Zeichen der Wertschätzung wenn man es einfach mal sein lässt. Gewisse Freunde sind sich so gewohnt, dass man immer erreichbar ist, dass Sie nach 30 Minuten nicht zurück schreiben schon meinen ich sei quasi vom Auto angefahren worden - nein, liebe Freunde ich gönne mir gerade ein Bad, da hat das Handy absolut nichts verloren. Digital offtime und Freizeit gehen bei mir Hand in Hand. Online finde ich meist keine Entspannung. (Ambra, 24, Medizinaltechnikerin)

 

 

Inwiefern ist für euch die Freizeit euer Ventil?

 

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FOMO: Angst etwas zu verpassen? Quelle: https://premiumstrata.com.au/fomo-sign-up-to-our-newsletter/

 

  • Wenn man berufsbegleitend studiert braucht man die Freizeit gewissermassen als Ventil. 100% arbeiten, zwei Abende und alle zwei Wochen noch samstags in den Vorlesungssaal, das geht an die Substanz. Um mit dieser Belastung klar zu kommen lebe ich zwei Extreme. Unter der Woche treibe ich exzessiv Sport und lebe extrem gesund. Ich probiere beim Joggen im Wald oder im Kraftraum abzuschalten, koche zu Hause vor und mache alles mit eiserner Disziplin. Am Wochenende lebe ich das andere extrem. Ich feier bis in die frühen Morgenstunden und probiere vieles nachzuholen, was ich unter der Woche verpasst habe. Dann kommts schon von Zeit zu Zeit vor, dass ich viel zu viel trinke und eigentlich nur verkatert im Bett liege, statt Kraft in der Natur zu tanken. (Marco, 26, Finanzberater)

 

  • Eigentlich ist es bitter, dass Freizeit ein Ventil sein muss, das ist auch ein Zeichen, dass irgendetwas im Alltag nicht stimmt. Der Begriff Ventil impliziert ja, dass man in der Freizeit kompensieren muss für irgendetwas. Je sinnentleerter, stressiger und langweiliger die Woche, desto mehr Programm muss man sich ins Wochenende packen, um die Wochenration Spass, Freunde, Familie zu bekommen. (Geraldine, 21, Verkäuferin)

 

  • Freizeit ist bei mir oft kein Ventil. Ich stopf Sie mir viel zu voll. Ich probier immer alles unter einen Hut zu kriegen. Am Wochenende kann es schon sein, dass ich an einem Abend zu drei Geburtstagen eingeladen bin. Anstatt mich bei einem anzumelden und bei den anderen zwei dankend abzusagen, lasse ich es offen. Diese Unverbundenheit ist zum Kotzen. Ich meine dann, ich schaff es am einen Ort den Apéro zu nehmen, am anderen Ort zu essen und dann weiter an die nächste Sause. Das ist naiv und doof. Trotzdem passierts mir immer wieder. Diese Multioptionalität resultiert dann oft darin, dass ich gar nichts vom Abend habe. Die völlige Überstimulierung und Reizüberflutung endet meist mit belanglosem Smalltalk und einem grässlichen Kater. Es bleibt das schlechte Gewissen, dass man nicht genug Zeit für die wahren Freunde hatte und wieder mal auf allen Partys tanzen musste. Zum Glück lässt diese FOMO (engl. für FEAR OF MISSING OUT) langsam nach und ich merke so richtig, dass ich mehr von einem Nachtessen zu zweit mit einem Glas Wein habe. Weniger ist also oft mehr- auch bei der Freizeit. Sie soll auch kein Ventil sein, sondern quality time, die nicht kompensiert sondern den Alltag ergänzt. (Reto, 26, Partyveranstalter)

 

  

Wie gestaltet ihr Freizeit optimal?

 

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Sport. Natur. Auspowern. Spontanität. Freunde. Unerwartetes. Diversität. Die optimale Freizeitgestaltung sieht für jeden anders aus. 

 

  • Sport und Natur sind bei mir ganz hoch im Kurs. Richtig auspowern und auf einem Gipfel die kühle, saubere Bergluft einatmen, während mir der Wind ins Gesicht bläst, einfach grandios. Ich spüre mich dann selbst besser und kann über die wichtigen Fragen nachdenken. Freizeit, und vorallem bewusst gelebte, ist in meinem Freundeskreis ein Status-Symbol. (Max, 24, Consultant)

 

  • Bei der Aktivität bin ich sehr offen, ich merk einfach wie ich die beste Zeit habe, wenn ich gezielt Lücken einplane. Spontanität ist für mich belebend und nichts schlimmer als ein voller Terminkalender, bei dem gefühlt das nächste Jahr durchgeplant ist. (Anna, 23, Fotografin)

 

  • Ich mag das Neue, Unerwartete. Der Abend heute ist genial. Anstatt über die letzte Party, Affäre und Lästern wird über Themen gesprochen - die uns im Moment richtig bewegen. Hier lernt man haufenweise neue Leute mit diversen Backgrounds kennen. Ich fühle mich wohl. (Reto, 26, Partyveranstaler)

 

 

Hat Freizeit Statussymbol-Charakter?

 

 

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Die Welt entdecken: Für Millennials ein wichtiges Statussymbol

 

 

  • Freizeit und vor allem bewusst gelebte ist in meinem Freundeskreis klar ein Status Symbol. Zeigt sich cool an einem Beispiel: Mein Kumpel Andi, hat sich kürzlich einen neuen Mini Cooper S gekauft, alle wissen aber dass er dafür den ganzen Tag schuftet und sich selten Ferien gönnt - niemand in der Clique ist so richtig neidisch. Tauschen will keiner mit ihm. Carlo hingegen arbeitet bloss 80% und verdient eher durchschnittlich, dafür unternimmt er jeden Sommer eine dreimonatige Reise durch diverse Entwicklungsländer und widmet den Freitag seinem Hobby, der Schauspielerei. Mit ihm will jeder tauschen. (Marco, 26, Finanzberater)

 

  • Unser Self-Branding stützt sich grössenteils auf unsere Freizeitaktivitäten. Viele Millennials dokumentieren deswegen alles. Die Singles legen besonders viel Wert darauf, dass es den Anschein macht, als wären man an coolen Orten - möglichst exotisch versteht sich. Solange man nicht als Hänger durchgeht- sondern unternehmungslustig, wirkt das attraktiv. Auf das nächste Level haben das die LIVE Videos und Stories gebracht, die Facebook, Instagram, Snapchat und CO bieten. Man kann in Echtzeit zeigen, dass das eigene Leben erstrebenswert ist. (Max, 24, Consultant)

 

 

 

 
 

 
 

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