re:publica 2018: Review des ersten Tags

von Virginia Beljean | May 3, 2018

Zum zwölften Mal findet dieses Jahr die grösste Internet-Konferenz Europas in Berlin statt – und wir sind für euch mit dabei.  Die re:publica wird als der Event der digitalen Vordenker Europas bezeichnet und wächst stetig. Alle sind dabei – bis auf die Bundeswehr. Wir erzählen über die 3 Highlights POP, die Bundeswehr und Algorithmen. 

 

2018 lautet das Motto "POP"

Der neongrüne Slogan "POP" der diesjährigen Republica steht für "Power of People", aber auch geläufigere Begriffe wie „Popkultur“ oder „Populismus“ werden mit dem Begriff suggeriert. – Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/30103106 ©2018 was die Massen erreichen und somit die Gesellschaft verändern soll. Die häufig zitierte „Filterblase“ wird als Designelement aufgenommen, beispielsweise als Seifenblasen oder mit einem grossen Bällebad. Die Besucher sollen dazu animiert werden, die eigene Filterblasen platzen zu lassen und eigene Meinungen und Bilder zu überdenken. Auffallend oft sind die Speeches politisch und kritisch. Der digitale Pessimismus macht sich gefühlt breit hier – das laute Schreien über das Monster Google ist uns persönlich "verleidet" – schlussendlich können wir inzwischen kaum mehr darauf verzichten und wir alle arbeiten damit. 

 

Bundeswehr unerwünscht

Am Mittwoch entdeckten wir bei unserer Ankunft eine ungewöhnliche Aktion der Bundeswehr: Vor dem Gelände der Digitalkonferenz hat sich eine kleine Truppe der Bundeswehr postiert. Mit dabei eine Plakatwand, mit der sie auf den Ausschluss von der Digitalkonferenz aufmerksam machen. „Zu bunt gehört auch grün“, steht drauf. Den unformierten Soldaten wird der Zugang zur re:publica verwehrt. Dies führte zu einem Shitstorm. Die Meinungen gehen auf den Social Media Channels stark auseinander: Einige sagen, die re:publica zeigt damit fehlende Toleranz, andere sagen, die Bundeswehr wolle hier rekrutieren, weshalb sie hier nichts zu suchen hat. Ja: Grün ist eben nicht gleich grün. Wir verstehen die Entscheidung der Veranstalter, denn: Uniformierte Soldaten in einem solchen Umfeld anzutreffen würde sich wohl doch ziemlich komisch anfühlen. 

 

Zeitalter der Algorithmen 

Ein Wort ist  in praktisch jeder Speech gefallen: Algorithmus. Der Einfluss von Algorithmen auf politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklungen ist hier allen bewusst. 

Algorithmen bieten einerseits ein erhebliches Potential für Manipulationen. Dies zeigte etwa Danah Boyd in ihrer Opening Keynote auf: Dank den Automatismen des Internets können auch kleine Gruppen und ihre Bots ein Thema im Netz so pushen, dass sie irgendwann aufgegriffen werden, was zu einer schnellen Verbreitung von Fake News über Mainstream-Medien führt. 

«Algorithms are not neutral!» warnte auch Wistleblowerin Chelsea Manning, die erstmals seit ihrer Begnadigung durch Barak Obama ausserhalb der USA auftrat. Sie (die übrigens als Stargast gefeiert wird, obwohl sie das gar nicht will) appellierte an die Verantwortung von Entwicklern, die mit ihrer Arbeit über weit mehr entscheiden als nur über die Sortierung eines News Feeds oder die Einblendung von personalisierter Werbung. 

Auch Pandu Nayak (Vice President of Search Google) sagt, dass Algorithmen noch lange nicht perfekt sind. Die Suchmaschine Google kämpft immer noch damit, Fake News erkennen zu können. Weiter wolle Google eine Gesellschaft mit Meinungsfreiheit und -vielfalt bedienen – wenn Algorithmen jedoch die einzig richtige Antwort auf eine Suchanfragen liefern müssen, dann geht die Diversity verloren. 

Safiya Umoja Noble sieht in Algorithmen sogar eine Fortsetzung von Rassismus und Frauendiskriminierung, und sie spricht deshalb von Algorithms of Oppression. 

Ein Tag, der uns zum nachdenken und reflektieren angeregt hat. Die Themen betreffen uns alle: Fake News, Politik, Digitalisierung, Veränderungen im Internet, Gesellschaftskritik, Frauenquoten, Algorithmen und Psychologie, um wirklich nur ein paar wenige Schlagworte des ersten Tags zusammenzufassen. Wir würden sagen:

Die re:publica ist nicht nur eine Internet-Konferenz für Nerds und Kellerkinder, sondern vielmehr eine Gesellschaftskonferenz.

 

 

 

 

 

 
 

 
 

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