Scrum Master 2016 – und die Reise nach Vietnam

von Moritz Merz | Aug 15, 2016

Von Kellerkindern, Management Ansätzen und einer Reise nach Vietnam
Alles begann damit, dass ich beschloss, an einem Scrum-Kurs teilnehmen zu wollen. Vorneweg: Wer nicht weiss, was Scrum ist, kann sich hier informieren. 
Auf alle Fälle wollte ich den Scrum-Kurs in Zürich absolvieren. Als ich jedoch erfuhr, dass der Kurs in Zürich CHF 2500 kostet, habe ich mich nach Alternativen umgeschaut. Nachdem ich festgestellt habe, dass der Kurs sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland, ja, im ganzen Rest von Europa, so teuer ist, kam mir die Idee, den Kurs mit ein paar Tagen Urlaub in Übersee zu verbinden.
Ich entdeckte dann ein Kurs-Angebot in Vietnam für 800 Euro. Vietnam erlaubt mir ein komplett neues Umfeld mit neuen Aufgabestellungen – in Zürich sind die Aufgabenbereiche meist sehr ähnlich. Zudem kann ich auch aus Vietnam remote arbeiten und endlich Thien kennenlernen, der für The Relevent als Freelancer arbeitet. Die Motivation an sich war nicht das Geld, sondern vielmehr, dass ich für den gleichen Preis nach Vietnam fliegen, eine neue Kultur kennenlernen und ein paar Tage reisen kann. Die Entscheidung ist also gefallen.

 

Der Flug, der erste Kurstag und die Sache mit dem Jetlag
Dann gings schnell – ich flog am gleichen Tag, an dem der Kurs begann, nach Vietnam. Zuvor habe ich noch fünf Stunden gearbeitet. Das war suboptimal, da ich mit einem ziemlichen Jetlag ankam und direkt zum Kurs musste. 


Ich habe mir im Kurszentrum zuerst einen Kaffee und ein Croissant gegönnt, bevor ich dann nach oben in den Schulungsraum begab. Ich war der Erste, also ging ich zum Trainer und stellte mich vor. Er sah mich an und meint: “DU bist der aus Europa! Erzähl mir, warum du überhaupt hier bist.” Ich erzählte ihm die Story – ab dann war ich der crazy Europäer, der extra für Scrum nach Vietnam reist.

Der erste Halbtag war dann schnell vorbei und am Mittag wurde zusammen gegessen. Mein Jetlag machte sich immer stärker bemerkbar – inzwischen war ich bei meinem 15. Kaffee angelangt. Nach dem Mittag lerne ich einen kroatischen Developer kennen, der in Vietnam als Teamleader tätig ist. Wir haben uns auf Anhieb super verstanden – wir waren uns sehr ähnlich, beide probieren gerne und viel aus und versuchen, den eigenen Weg zu finden, anstatt irgendwelche verstaubten Codes auf Foren zu finden.

 

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Die Rolle von Scrum Framework: Asien vs. Europa

Seine Motivation war allerdings nicht in erster Linie den Scrum Master zu machen, sondern vielmehr herauszufinden, wie er den Top-down-Ansatz aus den Köpfen seiner Mitarbeiter kriegt. Diese Frage wurde dann am Nachmittag rege diskutiert.

Scrum lässt sich in Asien in der Tat nur sehr schwer umsetzen, weil das Modell nach dem Bottom-up Prinzip funktioniert. Diese Kultur hat sich in Asien kaum durchgesetzt – auch die Vietnamesen präferieren vielmehr den Ansatz von Top-down. Sie nehmen gerne Anweisungen entgegen und setzen diese um. Weiterführende Arbeiten ohne Anweisungen führen sie nur ungerne aus, weil die Kultur vorschreibt, dass der Chef sagt, was zu tun ist. Ausserdem werden Fehler kaum akzeptiert, weil diese auch nicht verkauft werden können.

 

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Scrum allerdings will die Developer motivieren und engagen, sich selbst weiter zu bringen und ermutigt sie, unkonventionelle oder neue Wege zu beschreiten. Entwickler gelten häufig als asozial, Code Monkeys oder Kellerkinder. Dabei sind wir oft sehr kreativ und genau da setzt Scrum an. Der Ansatz soll und will uns motivieren, neue kreative Wege einzuschlagen. Entwickler müssen Lösungen für komplexe Probleme finden, dass bedingt kreative Wege!

Eine grosse Rolle spielt zudem die Fehlerkultur: Es gilt: “It’s save to fail”. Sprich: Wenn ich einen Fehler mache, gestehe ich mir diesen ein, lerne daraus und mache es beim nächsten Mal besser. Dieses amerikanische Mind-Set ist auch bei uns in Europa noch nicht ganz angekommen, weil sich nach wie vor viele schwer tun, Fehler einzugestehen.

 

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Trotzdem gibt es auch bei uns immer mehr Start-Up’s, die versuchen, auch mal unkonventionelle Arbeitsweisen und Wege einzuschlagen und den “Trial & Error-Ansatz” auch im Alltag leben. Egal ob Start-up oder Grosskonzern: Wer den Ansatz von Scrum im Alltag einsetzen will, braucht den Einsatz eines jeden einzelnen in der Firma. Die ganze Firma muss sich ändern, sonst kann sich ein solch agil gestaltetes System kaum durchsetzen.

Kann man ein Unternehmen überhaupt scrummässig führen? Ja, Unternehmen können so agil arbeiten, was aber einige Spielregeln voraussetzt. Diese müssen im vorher genau definiert und festgelegt werden. Dazu gehört beispielsweise, dass im Vornherein definiert ist, was die anstehenden Tasks sind. So ermöglicht man, dass die Sprints erfolgreich sind und man wirklich soviel abarbeiten kann wie es geht.

Wofür eignet sich Scrum?

Scrum eignet vor allem für Projekte, die einen hohen Grad von Unvorhersehbarkeit aufweisen, komplex und herausfordernd sind. Sind die Tasks und Sprints einmal festgelegt, wird bis zum Ende des ersten Sprints gearbeitet. Danach gibt es einen Sprint-Review, in dem evaluiert wird, was gut war und wo es noch hapert. Der nächste Sprint wird gleich im Anschluss geplant: In diesem Part werden die Erkenntnisse aus dem ersten Sprint eingebaut, wodurch mal wieder schneller und effizienter wird.  Die Vorteile: Die Qualität steigt und der Kunde kann laufend entscheiden, was er will. Die Developers kommen weniger in Stressituationen, weil sie immer wieder ihre Backlock Items neu priorisieren können. Der Output ist ein Produkt, das inkrementell wächst.

Die Nachteile sind, dass die Projekte mehr Zeit benötigt, weil keine fixe Deadline für das Endprodukt definiert wurde. Zudem wollen viele Kunden keine Sprints kaufen, sondern einen Fixpreis pro Projekt aushandeln. Bei einfachen und leicht vorhersehbaren Projekten macht es nur bedingt Sinn, die Arbeitsweise nach Scrum zu gestalten. 

Next Stops: Danang – Haiphong – Bangkok – Zürich

Nun aber zurück zur Reise: Nach den 2 Kurstagen kam das Wochenende. Ich flog von Saigon weiter nach Danang, wo ich mit dem Moped auf Bergen und in Höhlen rumdüste und die Zeit genoss. Ab Montag hab ich dann remote von Coffee Shops aus gearbeitet, was ein Abenteuer für meinen Rythmus war. Ich hab jeweils um 1 Uhr nachmittags gestartet und dann bis am 22 Uhr abends gearbeitet, damit ich abends ins Nachtleben eintauchen und am nächsten Morgen ausschlafen konnte🙂

 

Am Mittwoch bin ich nach Haiphong gereist, um Thien und seine Frau kennenzulernen, der bei zeitweise für uns von Vietnam aus arbeitet. Ein riesiges Erlebnis, eine Person am anderen Ende der Welt kennenzulernen, nachdem man bisher nur online miteinander zu tun hatte.

Fazit

Die Entscheidung, für so einen Kurs nach Vietnam zu fliegen, war absolut richtig. Ich konnte tolle Menschen und neue Perspektiven kennenlernen, fachlich viel profitieren und mich mit mit anderen Kellerkindern😉

austauschen. ! Mir hat die Ideologie Scrum so gut gefallen, dass ich In Zukunft mein Wissen verwenden will, um für uns ein passendes Workshop-Format zu entwickeln, das für Firmen einen Mehrwert bietet und für Teams aus verschiedensten Branchen umsetzbar ist. Aus meiner Sicht macht Scrum vor allem in den den Bereichen Marketing / Kommunikation / Werbung, in Start-up’s und bei Content Marketing Sinn. Warum Content Marketing? Weil es sich der Ablauf für Redaktionsbetriebe sehr gut eignet. Der nächste Schritt: Die Scrum Master Zertifizierung, um danach mein Wissen weitergeben zu können.

 

 
 

 
 

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