Vidcon 2016? Echt stark.

von Martina Bolibruchova | Aug 9, 2016

 


„Die Band U2 hat eine Plattform und die Leute laden da Videos hoch?“ – so Olga Kay, welche mittlerweile fast eine Million Subscriber auf YouTube erreicht hat, als noch niemand von uns wusste, was YouTube überhaupt ist.

Um ehrlich zu sein – wer hätte gedacht, dass eine Videoplattform die Unterhaltungsbranche, Medienwelt, die jungen Leute und Marketing im allgemeinen so verändern kann? Es gibt Fernsehen, das ist das einzig Wahre und um da zu arbeiten muss man richtig gut ausgebildet sein und eine ordentliche Portion Glück mitringen. Zudem ist es mächtig, richtig? Naja, das war einmal. Vielleicht. Ehrlich gesagt, ich erinnere mich nicht daran.

Nach Jahrzehnten von täglichen TV-Programm und schauen, was gesendet wird, war es Zeit für eine Veränderung. Die Evolution des TV’s musste passieren! Ich glaube, dass nicht einmal die Mitarbeiter von YouTube richtig verstehen, wie das passierte. Zu Beginn haben wir auf YouTube Musikvideos geschaut, und plötzlich war es da: Let’s Play, Streiche aufzeichnen, Fragen beantworten, Vloggen und Heimwerker-Videos produzieren. Wenn ihr denkt was ist das schon, denn ihr seid ja nicht mehr 15 Jahre alt: 20 Millionen 65 plus  “unique visitors” in einem Monat beweisen das Gegenteil. Aber wie soll man sich denn wohlfühlen zwischen all den unbekannten Formaten und Autoren? Ich erzähle euch, was ich an der Vidcon 2016 gelernt habe.

 

1. Konsumiere jede Menge Content

weil um euren eigenen Stil zu finden, müsst ihr euch erst ein Bild machen, was es überhaupt gibt. Es gehört dazu, sich bei anderen Inspiration zu holen. Ob ihr euch nun Dokus über wilde Zebras anschaut oder einen erfolgreichen YouTube Kanal für eure Werbeagentur aufbauen wollt – ich garantiere euch, jemand da draussen macht genau euer Projekt schon ziemlich richtig. So muss man sich nur anschauen, was es schon gibt und dann für sich adaptieren. Easy, oder?

Damit du deinen eigenen Stil auf YouTube finden kannst, musst du zuerst realisieren, dass du DARFST. Ja, denn du brauchst niemanden um Erlaubnis zu bitten, sondern kannst einfach das tun, was du für richtig hältst. Tun, was dir gefällt und wonach dir ist kann dir helfen, dein Ziel zu erreichen. YouTube ist ein freier, kreativer Space – nutze ihn! Die grössten YouTube Stars haben oft mit einer simplen Sachen angefangen: Sie haben dieselbe Plattform wie alle anderen genutzt, nur anders.

Casey Neistat: Lieber mache ich meine Ausrüstung kaputt oder riskiere eine zerkratzte Linse, anstatt den Moment für die perfekte Aufnahme zu verpassen. Du musst die Chance nutzen, es bereichert das Storytelling! Casey Neistat, der seit Januar 2016 9 Drohnen zu Bruch brachte.

 


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I’d rather break the gear, scratch the lens, than miss the shot. You have to take the chance, it enhances storytelling.

Casey Neistat (who broke 9 drones since January 2016)


 

2. Das “empty Notebook Syndrom” überwinden

Ich weiss, die weisse Seite ist unheimlich. Aber es gibt Tricks, wie du diese Unsicherheit überwinden kannst: Kreiere eine Vorlage mit der simplen Frage “Was ist der Titel des Videos?” Nur schon das hilft dir, einfach anzufangen. Die Frage ist easy, die kannst du leicht beantworten!

Den Content den du selber gerne anschauen würdest zu produzieren ist die beste Strategie und eine der wichtigsten Regeln, die du befolgen solltest. Warum? Weil wenn es deinem Publikum gefällt, bedeutet das, ihr habt etwas gemeinsam und dort beginnt die wahre Community zu wachsen. Etwas zu produzieren was dir selber nicht gefällt ist riskant – stell dir vor du denkst “Stimmt! Mir gefällts ja auch nicht”, währenddem du die negativen Kommentare zu deinem Video liest. Das funktioniert nicht. Kreiere etwas, dass du liebst und deine Community wird dasselbe tun.

Vergiss nicht: Inspiration alleine reicht nicht, aber Inspiration und Output kreieren etwas. Genau das sagte Casey Neistat an der Vidcon. Und wir mögen Casey doch alle, oder nicht? 😉

 

3. Community

Wenn ich schon wieder über Casey Neistat spreche – er erzählte uns eine kurze Geschichte, wie ihm ein Millionen-Vertrag von HBO offeriert wurde, dadurch ans Cannes Film Festival gelang – und anschliessend den Fernseh-Sender verliess. Warum? Weil er schlichtweg die Community vermisste, der attraktivste Aspekt von allem.

Sich eine YouTube Community aufzubauen braucht Engagement und Konsistenz – du solltest regelmässig posten und die Leute müssen wissen, was sie erwarten können. Konsistenz hilft die Beziehung aufzubauen, genau wie im echten Leben. Wie würde sich deine Partnerin / dein Partner fühlen, wenn du sie grundlos für 2 Wochen nicht sehen möchtest? Da hättet ihr wohl ein Problem 😉 YouTube ist keine Medienwelt, du bist kein TV-Star in der Mattscheibe. Bei YouTube geht es um Konversation, darum, dein Publikum zu erreichen wenn und wo sie wollen. Und es geht um unmittelbares Feedback. Stell dir vor, du könntest Quentin Tarantino eine Nachricht schicken, gleich nachdem du dir den Film Pulp Fiction angeschaut hast – und er würde dir antworten! Ist YouTube nicht magisch? Du selbst kannst die Magie zwischen dir und deinen Zuschauern kreieren.

 

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4. Schau dir an, was jüngere YouTuber kreieren

Einer der ersten YouTuber überhaupt, Charlie McDonnell, erklärte seine überraschende Inspirationsquelle: Er sucht nach Videos wie “My First vlog” und schaut sich die neuesten Resultate an. Aus seiner Sicht ist dieser Content frisch, authentisch und die Leute sind voller Energie. Wir sollten die Power der jungen Generation auf YouTube nicht unterschätzen. Dinge, die sie heute tun, werden wir in ein paar jahren machen. Ich meine  – wer sonst noch hat Snapchat total belächelt vor einigen Jahren? (Ich schon. Grosser Fehler.)

“My first Vlog Videos” sind eine grossartige Inspirationsquelle. Sie sind am authentischsten, haben was Spezielles an sich und du spürst, dass die Autoren keinen Druck haben. Sie wollen nur eins: Kreieren. Charlie McDonnell

 


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My first vlog videos are a great source of inspiration! They are the most authentic, they have a sparkle and you can feel that creators have no pressure. They just want to create.

Charlie McDonnell


 

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5. Ausrüstung

Ich will mich kurz halten. Bis nach meinem fünften Semester an der CAST (Filmschule) habe ich Filme in Windows Movie Maker editiert. Ich habe mein Bachelor-Diplom bestanden, in dem mit einer Canon mit einer Basic Linse filmte, die gerade mal 400 Franken wert war. Und bis letztes Jahr habe ich nur gratis Bearbeitungs-Software benutzt.

Wir sind alle Teil des grossen 360 Grad Booms, wir sehen Drohnen fliegen, Live Streams werden populär… aber sind wir mal ehrlich: Nützt dir diese teure Ausrüstung dabei, deine Story zu erzählen? Brauche ich wirklich den 360 Grad Winkel, wenn die Action doch nur an einem Ort passiert? Wie viele Zuschauer sehen tatsächlich den Unterschied zwischen einer f1.8 und einer f1.4 Linse? Aber lass uns mal reflektieren, was Yulin Kuang zum Ausrüstungs-Thema zu sagen hatte. Du findest ihre Aussagen in meinem kurzen Mood Video:

 

6. YouTube Best Practices

Nun gehts ans Eingemachte: Du kannst dir noch so viele Best Practice Beispiele anschauen; es wird dich nicht weiterbringen. Manchmal passt der Stil nicht und genau das Gegenteil ist das Richtige für dich. An der Vidcon habe ich viele YouTuber mit Millionen von Subscribern getroffen, die ans Ende ihrer Videos keinen “Subscribe-Button” hinzufügen. Manche interessieren auch die Thumbnails oder Clickbait Titel nicht. Aber warum? Eigentlich ist es ganz simpel: Sie glauben nicht, dass dies für ihren Kanal funktioniert. “Wenn doch jemand bereits Videos von mir anschaut – warum soll ich ihm dann sagen, er soll sich für meinen Kanal anmelden? Das sehen die Leute ja schon”, so Charlie McDonnell, und er hat Recht. Bei YouTube bist du dein eigener Boss und du kannst die Massnahmen angehen, die du für deinen Kanal für richtig hältst.

 

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Die Vidcon war ein Paradies für jeden, der sich für Online Video interessiert. Man konnte seine Idole sehen, mit erfolgreichen YouTubern sprechen, das Management von YouTube, Facebook oder Buzzfeed treffen. Aber was am allercoolsten war: Diese Energie all dieser Leute, die mit ihrem Channel etwas erreichen und den geilsten Content produzieren möchten. Die Vidcon war voller Leben! Bei einer Diskussion (Panel) stand ein Typ während der Q&A Session auf und hat ganz spontan seine Geschichte erzählt. Seine Story ist sehr beliebt unter Fremden, aber für seine kleine Heimatstadt zu kontrovers. Nachdem andere ihre Erfahrungen geteilt haben und er realisierte, dass er mit seiner Geschichte nicht alleine war, wurde er von seinen Emotionen eingeholt. Es schüttelte ihn, aber vor Freude: “Ich war noch nie an der Westküste, habe noch nie zuvor meine Heimatstadt verlassen.” Genau aus diesem Grund ist die Vidcon so mächtig. Nächstes Jahr in Amsterdam bin ich definitiv mit dabei!

“Jede Geschichte wurde schon einmal erzählt, alles wurde schon einmal produziert – aber nicht von dir.”
 
 

 
 

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