Welche Motivationen aktivieren das Partizipationsverhalten?

von Florian Wieser | Sep 27, 2016

In unserer Studie haben sich sechs intrinsische Motivationen herauskristallisiert, welche für das Partizipationsverhalten in Online Communities relevant sind. Unsere Untersuchung bestätigt die Motivationen von Userinnen und Usern, die in zahlreichen vorwiegend im angelsächsischen Raum durchgeführten Studien (siehe zum Beispiel die Studie von Dholakia und KollegInnen) eruiert wurden, auch für die Schweiz. Wie die Psychologie diese Motivationen erklärt und wie Userinnen und User sie im Kontext von Online Communities erleben, wird nachfolgend erläutert.

 

6-intrinsische-Motivationen-zur-Partizipation-in-Online-Communities

Anschluss – Geselligkeit im virtuellen Raum:

Das grundlegende Motiv treibt Personen an, mit Freunden oder überhaupt mit anderen Menschen zusammen zu sein. Solche Menschen akzeptieren andere Leute bereitwillig. Sie geben sich Mühe, Freundschaften einzugehen und Verbindungen zu anderen Menschen aufrechtzuerhalten. Das heisst, sie sind in Online Communities aktiv, beispielsweise um Beziehungen zu vertiefen oder ein Zugehörigkeitsgefühl zu verstärken. Eine typische Aussage von einem geselligkeitsorientierten Community-Mitglied ist: «Ein Suchen nach einem Daheim ist vielleicht für mich stimmig.»

Geltung und Status – Einfluss ausüben in Online Communites:

Das grundlegende Bedürfnis nach Geltung und Status bewegt Personen dazu, ihre Umwelt unter Kontrolle zu halten und andere Leute zu beeinflussen oder zu lenken. Solche Menschen vertreten ihre Meinung nachdrücklich. In Online Communities zeigt sich die Motivation, indem Nutzerinnen und Nutzer eine Bestätigung ihrer Kompetenz suchen und versuchen andere zu zu beeinflussen. Entsprechend äussert sich ein dominanzorientiertes Community-Mitglied: «Und dann möchte ich meine Posts so verfassen, dass dann auch von den anderen Usern etwas zurückkommt. Das ich dort vielleicht etwas aus den Leuten herausholen kann.»

In Communities werden bewusst auch Experten eingesetzt, die unter anderem auch durch Status und Reputation angetrieben werden: «Ich möchte mich in der Community wirklich als Experte positionieren.»

Freude am und Begeisterung für das Thema

Das grundlegende Motiv, sich zu entwickeln, geht auch einher mit der Freude an den Inhalten und einer Begeisterung für ein Thema. Dies ist in Communities von zentraler Bedeutung. Entsprechend motivierte Userinnen und User sehen ihre Beteiligung in Online Communities als einen amüsierenden und entspannenden Zeitvertreib, der ihnen Freude bereitet. Sie möchten darum auch gerne unterhalten werden.

Hilfsbereitschaft – soziale Unterstützung im virtuellen Raum:

Hilfsbereite Personen sind motiviert, anderen Zuneigung und Trost zu vermitteln und wenn immer möglich zu helfen. Sie bieten Leuten, die es nötig haben, Unterstützung an und erweisen anderen bereitwillig Gefälligkeiten. Im Kontext von Online Communities heisst dies, dass sie motiviert sind, ihre Erfahrungen oder auch Expertenwissen zu teilen und anderen Nutzerinnen und Nutzer bei der Problemlösung zu helfen. Ein häufig genannter Grund für Partizipation in Online Communities betrifft dieses Bedürfnis zu helfen: «Das gibt ja immer eine Befriedigung, wenn man jemandem helfen kann.»

Lernen und Kompetenzerweiterung – Lernen in Online Communities:

Dieses Motiv bewegt Menschen, die sich in vielen Wissensgebieten auskennen wollen. Userinnen und User schätzen in diesem Fall sinnvolle Verknüpfungen, beweisbare Verallgemeinerungen und logisches Denken. Besonders wenn es darum geht, theoretische Wissbegier zu befriedigen. In Online Communities heisst dies, dass die Nutzerinnen und Nutzer ihr Wissen im Themenbereich der Community vergrössern möchten, oder dass sie Lösungen zu spezifischen Themen suchen.

Dies ist eine Motivation, die mit interessanten Inhalten angesprochen werden kann. Dies bestätigt auch die Aussage eines interviewten Users: «Ich lese Beiträge aus allgemeinem Interesse.» Aber auch spielt die Motivation, seine Kompetenzen zu erweitern, mit hinein: Das zeigt sich in dieser Aussage: «Man kann das eine oder andere dazu lernen, seinen Horizont erweitern»

Sicherheitsbedürfnis und Risikovermeidung

Risiko vermeiden bewegt Menschen dazu, auf grösste Sicherheit zu achten. Aufgrund dieses Motivs halten Menschen nichts von aufregenden Betätigungen, insbesondere wenn damit auch eine gewisse Gefahr verbunden ist. Gleichzeitig suchen sie nach Sympathie, Schutz, Zuneigung, Rat und Bestä- tigung durch andere Menschen. In einer Community zeigt sich vor allem das Streben nach Sicherheit: «Weil ich unsicher bin. Ich gehe am Morgen auf den Hometrainer und messe Puls und Blutdruck. Dann gibt es irgendeine Tabelle und ich weiss nicht, was ich mit der anfangen soll. Zum Arzt rennen will ich deshalb nicht, aber dann hab ich das ins Forum gestellt.»

Online Communities - Leitfaden und Toolbox

 

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