Zukunft der Arbeit: Work 4.0

von Lora Sommer | Jul 11, 2016

Work 4.0, die Zukunft der Arbeit – oder eigentlich noch arbeitet, wir oder die Roboter?

Schenkt man gängigen Prognosen bezüglich dem Thema Arbeit der Zukunft Glauben, so werden bis zur Hälfte aller bestehenden Jobs in Zukunft von Maschinen übernommen. Die Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens leiten daraus mehr sinnvolle und selbstbestimmte Tätigkeiten ab. Dass die Globalisierung und die Technologie unsere Arbeits- und Lebensweise  auf den Kopf stellen werden, darüber ist man sich einig. Nur wie genau steht noch in den Sternen und so sind die unterschiedlichsten Branchen gefordert, innovative Lösungen für die Zukunft zu entwerfen.
Darauf, wie die Jobs der Zukunft aussehen könnten, gehen gleich zwei Studien ein, die in diesem Sommer veröffentlicht wurden.  

Die Zukunft der Kreativ-Wirtschaft

Der jüngste Kreativ-Wirtschaftsbericht der Zürcher Hochschule der Künste kommt zum Schluss, dass es für das Verständnis von Wertschöpfung grundlegend neue Konzepte braucht. Die Studie des Zentrums für Technologiefolgen, die eine Bestandsaufnahme des Themas auf gesellschaftlicher und volkswirtschaftlicher Ebene vorlegt.

Christoph Weckerle, Direktor des Departements Kulturanalysen und Vermittlung der Zürcher Hochschule der Künste, der neben Simon Grand von der Universität St. Gallen und Roman Page vom Statistischen Amt des Kantons Zürich für den Kreativ-Wirtschaftsbericht mitverantwortlich ist, plädiert im Interview mit der Tages Woche für eine Neuauslegung des Kreativitätsbegriffs. Die Wahrnehmung, die man bis zum Aufkommen des Begriffs in den 1990-Jahren gehabt hatte, hätte sich seither stark verschoben. Heute seien nicht in in erster Linie Künstler kreativ, vielmehr wolle die ganze Welt kreativ sein, egal ob Bäcker oder Managerin, jeder müsse sich unverwechselbar machen. Kreativ zu sein bedeute heute, die Lösung eines Problems nicht linear aus dem Status Quo abzuleiten, sondern sich zu fragen, wie es auch anders noch sein könnte.

Für den Kreativ-Wirtschaftsbericht 2016 haben Weckerle und co. zahlreiche Gespräche geführt, auch mit Akteuren ausserhalb des kulturellen Sektors. Dabei haben sie festgestellt, dass es vielerorts Funktionen und Positionen gibt, in denen man sich mit alternativen Zugängen beschäftigt.  Der Kreativ-Wirtschaftsbericht 2016 schlägt daraus resultierend ein Modell von “Creative Economies” vor. Das statische Verständnis einer Kreativ-Wirtschaft würde den zahlreichen situativen Konstellationen, in denen kreative Leistungen erbracht werden, nicht gerecht werden – daher der Plural, so Weckerle im Interview mit der Tageswoche.

DerBerichtzeige, dass ein relativ grosser Teil der Kreativ-Beschäftigten ausserhalb von Branchen wie dem Musik-, Buch- oder Kunstmarkt arbeite. Das könne interessante Konsequenzen haben, etwa für die Wirtschaftspolitik, die noch sehr stark in homogenen Clustern denke.

 


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Der Mensch wird nicht verschwinden, auch wenn die Maschinen übernehmen. Er wird sich, wie es die Evolution vorsieht, einfach neu erfinden.

Florian Wieser

Founder & CEO, The Relevent Collective AG


 

Flexible neue Welt

Der Job der Zukunft verlangt also mehr Agilität und mehr Flexibilität. Dem entgegen kommt, dass es noch nie so einfach war, eine Firma zu gründen und Unternehmer zu werden. Dies deckt sich mit dem Fazit, zu welchem die Studie “Flexible neue Arbeitswelt” vom Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzungen gelangt. In Zukunft werden sogar Angestellte einer Firma in den Selbständigen-Groove kommen. Der klassische 9-5 Job wird schon sehr bald nicht mehr so klassisch sein. Die Grenze zwischen Angestellten- und Selbständigen-Daseins werden zusehends verschwimmen. Es wird projektbezogen gearbeitet, feste Arbeitszeiten, feste Arbeitsplätze und mitunter auch feste Löhne weichen auf. Neue Job-Bezeichnungen werden auftauchen – siehe Box unten.
Zusammenfassend kann man sagen, dass uns gute Zeiten bevor stehen. Die meisten Leute haben kein Problem damit, agil und flexibel zu arbeiten, wenn sie damit etwas bewirken, in guten Teams arbeiten und die Arbeit selber gestalten können. Momentan sieht es leider noch danach aus, als würden diese Verbesserungen der Arbeitsqualität diversen kleinen Verschlechterungen der sozialen Sicherheit gegenüberstehen. Aber was noch nicht ist kann ja noch werden. Wir stehen den Veränderungen jedenfalls sehr positiv gegenüber. Wir haben die „work smart“ Charta unterzeichnet – die Schweizer Initiative für flexible Arbeitsformen und damit bereits einen ersten Schritt in die Richtung Job 4.0 gemacht.



 
 

 
 

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